Vom Kneipenboard zur SDL – Klaus und Petra im Porträt

Klaus Becker und Petra Pannach warfen ihre ersten Darts schon lange vor der Swiss Darts League – er in Berliner Kneipen am E-Dart, sie bei ersten Partien in Frankfurt. Jahre später entdeckten sie den Sport gemeinsam neu. Ein Besuch bei der SDL als Zuschauer führte sie schliesslich selbst ans Oche – und in eine Community, die für beide längst mehr bedeutet als Resultate und Ranglisten.

Vom E-Dart zurück ans Board

Klaus Becker erinnert sich gut an seine Berliner Jahre, als er regelmässig in Kneipen E-Darts spielte. Die lebendige Dartszene der Hauptstadt prägte ihn früh, bevor das Spiel eine lange Pause einlegte. Erst während der Pandemiezeit kam das Thema zurück – mit Steeldarts statt Automaten und einem Board zu Hause. Auch Petra Pannach hatte schon zuvor Pfeile geworfen, vor allem in Frankfurt, wenn auch eher nebenbei. Mit dem neuen Board entdeckten beide den Sport gemeinsam wieder: «Wir haben uns ein Board gekauft und plötzlich wieder richtig Lust auf das Spiel bekommen», erzählt Klaus. Aus dem Zeitvertreib wurde schnell Routine. Petra ergänzt: «Wir schauten die WM im Fernsehen und waren fasziniert. Das hat uns zusätzlich motiviert.»

Petra Pannach und Klaus Becker in den Gassen von Freiburg.
Darts verbindet: Petra Pannach und Klaus Becker im Gespräch in den Gassen von Freiburg.

Als Zuschauer gekommen – als Spieler geblieben

Der Kontakt zur Swiss Darts League kam über einen Besuch als Zuschauer. «Wir wollten uns einfach anschauen, wie so ein Turnier abläuft», sagt Petra. «Die Stimmung hat uns sofort beeindruckt. Man wurde herzlich empfangen und kam direkt ins Gespräch – da fühlte man sich sofort zugehörig.» Bald darauf meldete sich Klaus für die FKB Grand Tour an. Petra wollte ihn eigentlich nur begleiten, bis kurzfristig ein Teilnehmer fehlte. Ohne grosse Vorbereitung übernahm sie den Platz. «Ich hatte keine Zeit, mir Gedanken zu machen – plötzlich war ich im Turnier dabei», erinnert sie sich lachend. Klaus fügt an: «Bei mir kam die Nervosität erst, als ich selbst am Board stand. Da schlug das Herz bis zum Hals.» Ihre Spitznamen zeigen, dass sie das Ganze mit Humor nehmen. Petra nennt sich «Seniorita», Klaus entschied sich für «Mesh Monkey», weil er privat viel mit 3D-Design arbeitet.

Petra Pannach und Klaus Becker sitzen mit Dartcases und Darts auf einer Treppe.
Gemeinsame Leidenschaft: Petra Pannach und Klaus Becker mit ihren Dartcases und Darts.

Ehrgeiz mit Gelassenheit

Mittlerweile haben die beiden zehn Steeldarts-Turniere gespielt. Klaus kennt die Schwankungen zwischen guten und weniger guten Tagen: «Oft rufe ich im Turnier nicht ab, was ich eigentlich könnte. Aber genau das motiviert mich, weiterzumachen.» Petra ist ebenso ehrgeizig: «Wenn ich nur ein einziges Spiel gewinne, ärgere ich mich. Am Turnier schimpfe ich dann schon mal mit mir selbst.» Erfolge haben beide schon gefeiert. Klaus stand auf der FKB Grand Tour bereits mehrere Male auf dem Podest. Einen dritten Platz sieht er dabei mit Gelassenheit: «Wenn der Gegner besser ist, akzeptiere ich das. Heute Podest, morgen ist dieses Resultat nur noch Statistik.»

Heute Podest, morgen ist dieses Resultat nur noch Statistik.

Klaus Becker, Bremgarten bei Bern

Zu Hause messen sie sich nur selten direkt. Stattdessen treten sie im Doppel gegen eine App an. Bei Turnieren unterstützen sie sich gegenseitig, schauen Spiele und geben Feedback – aber ohne übertriebenes Anfeuern. «Wir sind keine Groupies», sagt Petra, «aber wir wollen schon wissen, wie der andere spielt und wie es läuft.»

Auf Augenhöhe

Petra äussert sich auch zur Rolle der Frauen im Darts: «Von den wenigen Frauen, die mitspielen, sind viele wohl nur dabei, weil ihr Partner schon aktiv ist. Wahrscheinlich wäre es bei mir auch nicht anders gewesen. Aber eine reine Frauen-Division? Die brauche ich nicht. Ich will mich mit allen messen.» Klaus pflichtet bei: «Am Ende sind wir alle Dartspieler. Wer nicht damit klarkommt, gegen eine Frau zu verlieren, hat schlichtweg zu wenige Partien gegen Frauen verloren.»

Eine reine Frauen-Division brauche ich nicht. Ich will mich mit allen messen.

Petra Pannach, Bremgarten bei Bern

Mehr als Resultate

Ihre Ziele bleiben bodenständig. Petra: «Möglichst oft die Scheibe treffen – und nicht wie am Anfang mal die Sprossenwand.» Klaus: «Mein Spiel stabilisieren und weniger Geschenke machen.» Beide betonen: Die Swiss Darts League ist für sie weit mehr als eine Rangliste. Es ist Gemeinschaft, Austausch – und das gute Gefühl, dass Leidenschaft keine Altersgrenze kennt.

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